Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 veränderten sich die Rahmenbedingungen für die Rheinschifffahrt grundlegend. Der Rhein blieb zwar eine wichtige Verkehrsader, doch die Anforderungen der Kriegswirtschaft bestimmten zunehmend den Schiffsverkehr. Handelsströme verschoben sich, Transporte wurden staatlich gelenkt, und viele bisher selbstverständliche Abläufe unterlagen neuen Vorschriften. Für die Schifffahrt bedeutete dies erhebliche Einschnitte. Das Transportaufkommen auf dem Rhein ging während der Kriegsjahre um nahezu die Hälfte zurück. Besonders stark traf dies den Transport von Brennstoffen, der für Industrie und Versorgung von zentraler Bedeutung war. Gleichzeitig erschwerten behördliche Auflagen und kriegsbedingte Einschränkungen den Verkehr auf Europas wichtigster Wasserstraße.

In dieser Ausnahmesituation gewann die Schifferbörse eine neue Rolle. Die Institution blieb nicht auf ihre ursprünglichen Aufgaben im Frachtenmarkt beschränkt, sondern übernahm zusätzliche organisatorische Funktionen. Durch die zunehmende staatliche Kontrolle des Verkehrs wurde sie zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen Behörden, Wirtschaft und Schifffahrt. Unter anderem war die Schifferbörse an der Abwicklung von Truppentransporten beteiligt und unterstützte die Koordination der für die Kriegswirtschaft unverzichtbaren Transporte. Damit bewährte sich die Börse erneut als zentrale Plattform, auf der die verschiedenen Akteure der Rheinschifffahrt zusammenwirkten. Schiffer, Reeder, Verlader und staatliche Stellen waren stärker denn je auf funktionierende Abstimmungsprozesse angewiesen.

Die Kriegsjahre machten deutlich, wie eng Schifffahrt, Wirtschaft und staatliche Interessen miteinander verbunden waren. Zugleich zeigte sich, dass die Schifferbörse weit über die Vermittlung von Frachten hinauswirkte. Selbst unter den schwierigen Bedingungen des Krieges blieb sie eine wichtige organisatorische und wirtschaftliche Instanz für die Rheinschifffahrt. Ihre Fähigkeit, sich veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und neue Aufgaben zu übernehmen, trug dazu bei, ihre Stellung als bedeutende Institution der deutschen Binnenschifffahrt weiter zu festigen. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs prägten die Arbeit der Schifferbörse noch lange über das Kriegsende hinaus.