Erweiterung der Börsenordnung
Nur wenige Jahre nach ihrer Eröffnung reagierte die Schifferbörse auf eine Entwicklung, die den gesamten Schifffahrtsstandort Ruhrort prägte: Die Duisburger und Ruhrorter Häfen wuchsen kontinuierlich, das Frachtaufkommen stieg, und immer mehr Akteure beteiligten sich am Verkehr auf dem Rhein. Mit der wirtschaftlichen Dynamik wuchs auch der Bedarf, die bestehenden Regeln an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Schifferbörse stand vor der Aufgabe, ihre Strukturen weiterzuentwickeln, damit möglichst alle Gruppen der Binnenschifffahrt angemessen vertreten werden konnten.
Im Jahr 1905 überarbeitete sie deshalb ihre Börsenordnung. Eine der wichtigsten Neuerungen war die stärkere Einbindung der Partikulierschiffer, die zuvor nur eingeschränkt an den Aktivitäten der Börse teilhaben konnten. Damit öffnete sich die Institution einer Berufsgruppe, die einen wesentlichen Teil der Rheinschifffahrt trug. Die Anpassung stärkte den Gedanken, möglichst alle Beteiligten des Schifffahrtsgewerbes unter einem Dach zusammenzuführen. Schiffer, Reeder, Verlader und Spediteure erhielten dadurch bessere Möglichkeiten, ihre Interessen einzubringen und gemeinsam an der Entwicklung des Frachtenmarktes mitzuwirken. Die Schifferbörse festigte so ihre Rolle als zentrale Plattform für Austausch, Vermittlung und Interessenabgleich innerhalb der Branche.
Die Reform zeigte zugleich, dass die Schifferbörse weit mehr war als ein Ort für Frachtabschlüsse. Sie passte ihre Regeln kontinuierlich an die Bedürfnisse einer wachsenden Schifffahrtswirtschaft an und schuf verlässliche Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit der Marktteilnehmer. Gerade diese Fähigkeit, wirtschaftliche Entwicklungen aufzugreifen und in verbindliche Regeln zu überführen, machte die Schifferbörse zu einer besonderen Institution der Rheinschifffahrt. Die Erweiterung der Börsenordnung von 1905 stärkte ihre Akzeptanz innerhalb der Branche und trug dazu bei, ihre Stellung als maßgebliche Stimme der Binnenschifffahrt weiter auszubauen.