Die „Herumsteher“ von Duisburg-Ruhrort

Mit der Eröffnung der Schifferbörse im Jahr 1901 sollte ein Problem gelöst werden, das Ruhrort seit Jahren beschäftigte. Schiffer, Befrachter und Makler sollten ihre Geschäfte künftig im neuen Börsengebäude abschließen, statt auf der Dammstraße oder in Gastwirtschaften zu verhandeln. Die Schifferbörse war gegründet worden, um Ordnung, Transparenz und faire Bedingungen in den Frachtenmarkt zu bringen. Doch die alte Praxis erwies sich als erstaunlich hartnäckig. Viele Schiffer hielten an ihren Gewohnheiten fest und trafen sich weiterhin vor der Börse, obwohl ihnen im Gebäude eigene Räume für Verhandlungen zur Verfügung standen.
Für die Verantwortlichen wurde das „Herumstehen“ schnell zu einem Symbol dafür, wie schwierig der Wandel von informellen Absprachen zu geregelten Marktstrukturen war. Bereits kurz vor der Eröffnung hatte die Ruhrorter Polizei das längere Verweilen auf den Bürgersteigen der Dammstraße untersagt. Dennoch versammelten sich dort weiterhin Schifffahrtsinteressierte. Die Schifferbörse drängte auf die Einhaltung der Regeln und bat die Behörden wiederholt um Unterstützung. Sogar Gerichtsverfahren wurden geführt. Mehrere Befrachter und Kaufleute mussten sich verantworten, weil sie trotz Verbots auf der Dammstraße Geschäfte angebahnt oder Verkehrswege blockiert hatten. Die Verurteilungen fielen zwar mit Geldstrafen von einer Mark eher gering aus, machten aber deutlich, wie ernst die Behörden die neue Ordnung nahmen.
Die Auseinandersetzung zeigt, dass der Erfolg der Schifferbörse nicht allein im Bau des „Wikingerschlosses“ lag. Erst nach und nach gelang es, die Marktteilnehmer an den neuen Ort zu binden und die Frachtenvermittlung in geregelte Bahnen zu lenken. Damit setzte die Schifferbörse ihr zentrales Anliegen durch: Sie schuf einen festen Treffpunkt für Schiffer, Reeder, Verlader und Spediteure und trug dazu bei, das „wilde Makeln“ zurückzudrängen. Selbst Jahre später blieb das Thema präsent und verdeutlichte, wie tief die Schifferbörse in die Alltagsgeschichte der Rheinschifffahrt eingriff.