Meilensteine 1901–2026
1890er
1901
1902
1905
1914-1918
1933-1944
1946
1952
1954-1957
1960er
1976
1978
1980er
1987
1990er
2001
2012
2015
2020
2025
1890er
Erste Schritte zur Schifferbörse
Eine erste Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Lösung für die chaotischen und oft unfairen Frachtgeschäfte auf dem Rhein ins Leben gerufen. Vor dem Hintergrund der Industrialisierung und des expandierenden Welthandels war es notwendig, den Frachtenmarkt zu regulieren. Im Jahr 1897 fand die erste Börsenversammlung statt, und vier Jahre später wurde die Börse offiziell eröffnet. Sie sollte als zentrale Anlaufstelle für die Festsetzung fairer Frachtpreise und Schlepplöhne dienen, unter der Aufsicht der Handelskammer von Ruhrort.
1901
Offizielle Gründung und Bau der Schifferbörse
Am 31. Oktober 1901 wurde die Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort feierlich eingeweiht. In einer feierlichen Zeremonie wurden hochrangige Vertreter wie der Finanzminister Georg Freiherr von Rheinbaben und Handelsminister Theodor Adolf Möller begrüßt. Das Gebäude war speziell für die Bedürfnisse der Schifferbörse konzipiert und als „Wikingerschloss“ bekannt, aufgrund seiner markanten architektonischen Gestaltung. Die Schifferbörse war nicht nur ein Ort für Frachtverhandlungen, sondern auch ein Symbol für die Regulierung der Rheinschifffahrt in einer Zeit wirtschaftlicher Umwälzungen.Im Jahr 1901 trat zudem die erste Börsenordnung der Schifferbörse in Kraft, um die neuen Marktbedingungen zu regulieren. Sie legte die Grundlage für die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure der Schifffahrt: Schiffer, Reeder, Verlader und Spediteure. Die Börsenordnung definierte auch die Zusammensetzung der Börsenversammlung und die Wahl des Börsenvorstands. Ein weiterer wichtiger Bestandteil war die Einführung eines Schiedsgerichts, das Streitigkeiten im Fracht- und Schleppverkehr schlichten sollte. Diese Ordnung bildete das rechtliche Fundament der Schifferbörse bis weit ins 20. Jahrhundert.
1902
Kaiserlicher Besuch
Am 21. Juni 1902 wurde die Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort von Kaiser Wilhelm II. und seiner Frau, der Kaiserin Auguste Victoria, besucht. Der Empfang war ein bedeutendes Ereignis, das die Wichtigkeit der Institution unterstrich. Während des Besuchs zeigte der Kaiser seine Anerkennung für die Schifferbörse und deren Rolle in der Rheinschifffahrt. Der Besuch war nicht nur politisch von Bedeutung, sondern trug auch zur Bekanntmachung der Schifferbörse auf nationaler Ebene bei.
1905
Erweiterung der Börsenordnung
Im Jahr 1905 wurde die Börsenordnung der Schifferbörse angepasst, um den erweiterten Bereich der Duisburger und Ruhrorter Häfen zu integrieren. Diese neue Ordnung ermöglichte die Aufnahme von Partikulierschiffern, die zuvor kaum in die Aktivitäten der Schifferbörse eingebunden waren. Die Anpassungen trugen dazu bei, die Rolle der Schifferbörse weiter zu festigen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren der Schifffahrt zu stärken.
1914-1918
Die Schifferbörse im Ersten Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg hatte erhebliche Auswirkungen auf die Rheinschifffahrt und damit auch auf die Schifferbörse. Die Verkehrsmenge brach um fast 50 Prozent ein, und besonders der Transport von Brennstoffen war betroffen. Die Schifferbörse musste sich mit Einschränkungen im Schiffsverkehr auseinandersetzen. Die staatliche Kontrolle über den Frachtverkehr nahm zu, und die Schifferbörse wurde aktiv in die Organisation von Truppentransporten eingebunden. Diese Umstellungen verdeutlichten die enge Verzahnung von Schifffahrt und Kriegswirtschaft und die Rolle der Schifferbörse als Institution während des Krieges.
1933-1944
Die Schifferbörse während der NS-Zeit
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Schifferbörse zunehmend in die staatsgelenkte Wirtschaftspolitik eingebunden. Mit dem „Gesetz zur Bekämpfung der Notlage in der Binnenschifffahrt“ von 1933 wurden der Frachtenmarkt und die Schlepplöhne verstaatlicht, was das Ende der freien Verhandlungen in der Schifferbörse markierte. Die Schifferbörse selbst spielte eine unterstützende Rolle bei der Errichtung eines Schifferbetriebsverbands und unterstützte die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik. Trotz dieser Anpassungen blieben einige der ursprünglichen Aufgaben wie die Verwaltung von Schiedsverfahren und Gutachten erhalten, die auch während des Krieges weiterhin von der Schifferbörse durchgeführt wurden.
1946
Zerstörung der Schifferbörse nach dem Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Schifferbörse erhebliche Schäden durch Luftangriffe. Besonders schwer getroffen war das Gebäude bei den Angriffen auf Duisburg im Oktober 1944. Obwohl das Gebäude zunächst repariert werden konnte, wurde es nach Kriegsende durch einen Brand im Februar 1946 vollständig zerstört. Vermutlich waren zündelnde Jugendliche der Grund für den Brand. Dieser Verlust markierte einen schweren Rückschlag für die Schifferbörse, die über Jahre hinweg eine zentrale Rolle in der Rheinschifffahrt gespielt hatte.
1952
Wiederaufbau und Neueröffnung der Schifferbörse
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs begann die Schifferbörse, sich für einen Wiederaufbau zu organisieren. Bereits im Dezember 1947 fanden erste Besprechungen statt, bei denen Vertreter der Schifferbörse, der IHK und der Duisburg-Ruhrorter Häfen zusammenkamen. Ein Jahr später, im Juni 1948, wurde ein Preisgericht für den Neubau einberufen. Unter den zahlreichen Entwürfen stach der Plan von Architekt Wilhelm Schmidt hervor, der den Bau der neuen Schifferbörse leitete. Der Wiederaufbau war nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern ein Symbol für den Neuanfang der Schifffahrt am Rhein. Das Gebäude symbolisierte den Wiederaufbau und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In den Jahren nach der Eröffnung erlebte die Schifferbörse einen Wiederaufstieg als Institution, die mit ihrer jahrzehntelangen Tradition wieder in die Zukunft blickte. Am 28. Oktober 1952 wurde die neue Schifferbörse nach jahrelangen Anstrengungen feierlich eingeweiht.
1954-1957
Schifferbörse und Schifffahrtsmuseum
In den 1950er Jahren begannen erste Überlegungen zur Einrichtung eines Schifffahrtsmuseums im Erweiterungsbau der Schifferbörse. Der Verkehrsverein Duisburg sprach sich 1954 für dieses Vorhaben aus, und auch die Schifferbörse selbst zeigte Interesse an der Idee. Doch die geplanten Erweiterungen des Gebäudes wurden aufgrund von finanziellen und praktischen Schwierigkeiten 1957 aufgegeben. Stattdessen wurde die Idee, das Museum vor der Schifferbörse zu errichten, weiterverfolgt. Letztlich wurde das Schifffahrtsmuseum jedoch nicht in der Schifferbörse untergebracht, sondern in einem anderen Gebäude in Duisburg-Ruhrort.
1960er
Gedanken über die Weiternutzung des Gebäudes durch die Stadt Duisburg
In den 1960er Jahren begann die Stadt Duisburg, über die Zukunft der Schifferbörse nachzudenken. 1962 kam es zu ersten ernsthaften Gesprächen über einen Verkauf des Gebäudes. Obwohl Pläne, das Gebäude als Schifffahrtsmuseum zu nutzen, immer wieder scheiterten, stießen die Verhandlungen über den Erwerb durch die Stadt Duisburg auf großes Interesse. Letztlich wurde das Gebäude viele Jahre später verkauft.
1976
75 Jahre Schifferbörse
Das 75-jährige Jubiläum der Schifferbörse wurde 1976 mit einer Festveranstaltung begangen, bei der bedeutende Persönlichkeiten aus der Schifffahrtsbranche und der Stadt Duisburg teilnahmen. Der Vorsitzende der Schifferbörse, F. Wilhelm Haarmann, blickte auf die Geschichte der Institution zurück, während Dr. Hans-Peter Martin den Jahresbericht vorstellte. Der Jubiläumsempfang verdeutlichte das anhaltende Engagement der Schifferbörse für die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Binnenschifffahrt und hob die Bedeutung der Institution für die regionale Wirtschaft hervor.
1978
Verkauf der Schifferbörse an die Stadt Duisburg
1978 kam es zu einer weiteren wichtigen Entwicklung in der Geschichte der Schifferbörse: der Verkauf des Gebäudes an die Stadt Duisburg. Die Stadt plante, das Gebäude für die Einrichtung einer Musikschule zu nutzen, was zu erheblichen Diskussionen führte. Trotz der Verhandlungen wurde das Gebäude für 433.000 Mark an die Stadt verkauft. Diese Entscheidung markierte das Ende einer Ära für die Schifferbörse als institutionelle Heimat der Rheinschifffahrt, während sich auch die Nutzung des Gebäudes veränderte.
1980er
Gutachterkommission erlebte Hochzeit
Verlader und Partikuliere hatten auch in dieser Zeit oftmals Disput über die Vorgehen bei den Verhandlungen. Die Gutachterkommission, die dafür zuständig war, Handelsbräuche klarzustellen, tagte in diesen Jahren bis zu sechs mal im Jahr. Alle Gutachter waren dabei Praktiker aus den Mitgliedsfirmen. In einer Sitzung wurden bis zu zehn Gutachten und Stellungnahmen zu den Usancen in der Binnenschifffahrt gefasst. Dabei konnten diese Sitzungen bis zu drei Stunden dauern.
1987
Wiederbelebung der Schifferbörse
Nach Jahren des Umbaus und einer Zeit der Unsicherheit erlebte die Schifferbörse 1987 eine neue Ära. Die Schifferbörse wurde erneut eröffnet, diesmal unter der Verwaltungsgesellschaft für das Ruhrorter Schifferbörsenhaus GmbH & Co. KG. Der Umbau hatte das Ziel, die Schifferbörse als Kommunikationszentrum für die Schifffahrt neu zu positionieren. Ein Restaurant, Büros und ein neuer Sitzungssaal für die „Vereinigung Schifferbörse“ wurden eingerichtet. Die Umgestaltung stärkte die Institution als Zentrum für die Schifffahrt und ermöglichte eine breitere Nutzung durch die Allgemeinheit.
1990er
Schifferbörse und die 1990er Jahre
Die 1990er Jahre waren eine Zeit der Verstetigung für die Schifferbörse. Es fanden jährliche Versammlungen und einige Schiedsverfahren statt, die Institution selbst erlebte eine ruhigere Phase. Die Schifferbörse hatte ihre ursprüngliche Rolle als zentrale Plattform für Frachten- und Schlepplöhne abgegeben, aber die politische Bedeutung der Institution nahm zu. Unter Geschäftsführer Hans-Peter Martin blieb die Schifferbörse ein wichtiges Symbol für die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure in der Rheinschifffahrt und der regionalen Wirtschaft.
2001
Besuch von Bundespräsident Johannes Rau
Am 20. November 2001, im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Schifferbörse, besuchte Bundespräsident Johannes Rau die Institution und trug sich gemeinsam mit seiner Frau Christina ins Goldene Buch der Schifferbörse ein. Dieser Besuch war ein symbolischer Höhepunkt des Jubiläumsjahres und würdigte die lange Geschichte und Bedeutung der Schifferbörse für die Binnenschifffahrt und die Wirtschaft am Rhein. Die Schifferbörse hatte sich über die Jahre hinweg als ein wichtiger Ort für den Austausch zwischen den Akteuren der Branche etabliert, und der Besuch von Bundespräsident Rau unterstrich die nationale Bedeutung dieser traditionsreichen Institution.
2012
Reaktivierung der Schifferbörse
Im Jahr 2012 erlebte die Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort eine bemerkenswerte Reaktivierung. Zwei wichtige Akteure, Ocke Hamann und Frank Wittig, trugen dazu bei, die Schifferbörse wiederzubeleben. Ein neuer Verein wurde gegründet, und die Satzung wurde entsprechend angepasst. Die Institution gewann an Bedeutung zurück und blickte auf eine neue Zukunft, die stärker auf die Zusammenarbeit der Binnenschifffahrt und die Förderung des Schifffahrtsrechts ausgerichtet war. Diese Reaktivierung legte den Grundstein für die moderne Ausrichtung der Schifferbörse in den folgenden Jahren.
2015
Neugründung des Schiedsgerichts
Im Jahr 2015 wurde das Schiedsgericht der Schifferbörse neu aufgestellt. Nach einer langen Geschichte der Streitschlichtung im Bereich der Rheinschifffahrt wurde das Verfahren modernisiert und an die zeitgemäßen Anforderungen angepasst. Die Schifferbörse stellte sicher, dass das Schiedsgericht weiterhin eine kostengünstige und effiziente Alternative zur gerichtlichen Klärung von Streitigkeiten bleibt. Die Neugründung stärkte die Rolle der Schifferbörse als Vermittlerin und Expertin für Fachfragen innerhalb der Branche und half, die rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern zu regeln.
2020
Einführung von Quinwalo
Im Jahr 2020 brachte die Schifferbörse mit Quinwalo ein neues Bildungsmodul auf den Weg. Quinwalo steht für „Qualification Inland Waterway Logistics“ und zielt darauf ab, Fach- und Führungskräfte von morgen für die Binnenschifffahrt zu sensibilisieren. Die Lehrgangsreihe vermittelt konkrete Kompetenzen und Fähigkeiten in der Logistik auf Binnenwasserstraßen. Quinwalo ist ein innovatives Projekt der Schifferbörse, das sich an Auszubildende und Fachkräfte richtet, um das Wissen über die Binnenschifffahrt zu erweitern und zukünftige Herausforderungen zu meistern.
2025
Einführung von BIWAS
Im Jahr 2025 hat die Schifferbörse das Ausbildungsmodul „Binnenwasserstraßenwissen“ (BIWAS) eingeführt. Diese Lehrmittelplattform bietet interaktive Lernpakete und Übungen, die vor allem Schüler und Lehrer ansprechen sollen. Mit BIWAS wird ein neuer Fokus auf die Bedeutung der Binnenwasserstraßen und deren Rolle im Güterverkehr gelegt. Besonders die Verknüpfung von Klimaschutz und Verkehrspolitik wird dabei thematisiert. Das Modul wird an Schulen eingesetzt und ist ein weiteres Beispiel für das Engagement der Schifferbörse, Wissen über die Binnenschifffahrt zu verbreiten und das Interesse an dieser Branche zu fördern.