Gutachterkommission erlebte Hochzeit
Während sich die Binnenschifffahrt in den Nachkriegsjahrzehnten rasant entwickelte, wuchs auch der Bedarf an verlässlichen Regeln und einheitlichen Handelsbräuchen. Immer wieder kam es zwischen Verladern und Partikulierschiffern zu Meinungsverschiedenheiten über Verträge, Verhandlungen oder die Auslegung bestehender Usancen. In diesen Fällen spielte die Gutachterkommission der Schifferbörse eine zentrale Rolle.
In den 1960er und 1970er Jahren erlebte das Gremium seine aktivste Phase. Bis zu sechsmal jährlich kamen erfahrene Praktiker aus den Mitgliedsunternehmen zusammen, um Streitfragen zu beraten und verbindliche Stellungnahmen zu den Handelsbräuchen der Binnenschifffahrt zu erarbeiten. In einzelnen Sitzungen wurden bis zu zehn Gutachten verabschiedet, die den Beteiligten Orientierung und Rechtssicherheit boten.
Die hohe Zahl der Beratungen zeigt, welche Bedeutung die Schifferbörse weit über die Vermittlung von Frachten hinaus besaß. Ihre Gutachterkommission half dabei, Konflikte zu lösen, einheitliche Standards zu sichern und das Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern zu stärken. In einer Branche, die von Handschlagqualität, Erfahrung und verlässlichen Regeln lebte, trug sie wesentlich dazu bei, den Schifffahrtsverkehr auf dem Rhein geordnet und berechenbar zu halten.