Dr. Johann Wilhelm Welker: Prägende Stimme der Rheinschifffahrt
Dr. Johann Wilhelm Welker verband Unternehmertum, Binnenschifffahrt und wirtschaftspolitisches Engagement in außergewöhnlicher Weise. 1917 wurde er erster familienfremder Generaldirektor von Franz Haniel & Cie. und entwickelte insbesondere Kohlenhandel und Reedereigeschäft weiter. 1924 übernahm er den Vorsitz der Schifferbörse, den er bis 1944 innehatte. Zugleich stand er dem Verein zur Wahrung der Rheinschifffahrtsinteressen vor und war von 1929 bis 1944 Präsident der Niederrheinischen IHK. Damit gehörte Welker über zwei Jahrzehnte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Duisburger Wirtschaft und der deutschen Binnenschifffahrt. Dabei scheute Welker auch radikale Vorschläge nicht. In der schweren Krise der Rheinschifffahrt Anfang der 1930er Jahre kritisierte er bestehende Mechanismen der Frachtenbildung und entwickelte Modelle für eine Neuordnung des Marktes. Zeitweise schlug er sogar vor, die Tragfähigkeit der Rheinflotte für mehrere Jahre um 30 Prozent zu reduzieren, um Schiffsraum und Transportaufkommen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Seine lange Amtszeit umfasste auch die NS-Diktatur. Welker war nach der Neuen Deutschen Biographie kein Mitglied der NSDAP, übernahm jedoch zugleich führende Funktionen in den staatlich gelenkten Wirtschaftsorganisationen der Binnenschifffahrt. Gerade diese Ambivalenz gehört zu einer vollständigen historischen Einordnung seiner Person.
