Das „längst gefühlte“ Bedürfnis nach einer Schifferbörse
Ende des 19. Jahrhunderts war Ruhrort der bedeutendste Schifffahrtsstandort am Rhein. Die Industrialisierung hatte den Güterverkehr stark anwachsen lassen, doch die Organisation des Frachtenmarktes hielt mit dieser Entwicklung kaum Schritt. Schiffer handelten ihre Geschäfte häufig auf offener Straße oder in Gastwirtschaften aus. Das sogenannte „wilde Makeln“ führte immer wieder zu Beschwerden, weil viele Schiffer sich benachteiligt fühlten und es an transparenten Regeln fehlte. Die Rufe nach einer geordneten Lösung wurden daher immer lauter.
Besonders deutlich wird dies in einem Schreiben des niederländischen Vizekonsuls August Holtkoff aus dem Jahr 1888. Darin bezeichnete er die Errichtung einer Schifferbörse in Ruhrort als „ein längst gefühltes, dringendes Bedürfnis“. Er schilderte die schwierigen Bedingungen, unter denen die Schiffer ihre Geschäfte auf Straßen und in Schankwirtschaften abschließen mussten, und verwies auf die großen Unzuträglichkeiten, die daraus entstanden. Seine Forderung zielte auf einen festen Ort für die Frachtenvermittlung sowie auf den Einsatz vereidigter Makler, die für gerechtere und nachvollziehbare Marktbedingungen sorgen sollten.
Der Brief gilt heute als einer der frühesten dokumentierten Impulse für die spätere Gründung der Schifferbörse. Aus dem Wunsch nach mehr Ordnung und Fairness entwickelte sich in den folgenden Jahren eine Institution, die Schiffer, Reeder, Verlader und Befrachter zusammenbrachte und für transparente Marktverhältnisse sorgen sollte. Damit begann die Geschichte einer Einrichtung, die die Rheinschifffahrt über mehr als ein Jahrhundert prägen sollte.