1996 markierte einen Wendepunkt für die europäische Binnenschifffahrt. Mit der Liberalisierung des Marktes konnten Frachtsätze wieder frei zwischen Auftraggebern und Schifffahrtsunternehmen vereinbart werden. Nach Jahrzehnten staatlicher und marktordnender Eingriffe kehrte damit ein zentrales Prinzip des freien Wettbewerbs in die Branche zurück. Die veränderten Rahmenbedingungen des europäischen Binnenmarktes stärkten die Eigenverantwortung der Marktteilnehmer und veränderten zugleich die traditionelle Rolle der Schifferbörsen nachhaltig.

Mit der Rückkehr zur freien Preisbildung endete zugleich ein außergewöhnlich langes Kapitel der Schifffahrtsgeschichte. Bereits während des Zweiten Weltkriegs war die freie Frachtenbildung aufgehoben worden. An ihre Stelle traten behördlich festgelegte Frachtsätze. Diese Regelungen und ihre Nachfolgestrukturen prägten den Markt weit über die Kriegszeit hinaus. Erst die europäischen Reformen von 1996 führten die Frachtenbildung wieder konsequent dem freien Markt zu. Damit endete eine Ordnung, deren Ursprünge mehr als fünf Jahrzehnte zurücklagen.n.